Über mich

Der Autor in SVE-Jacke bringt seine Spieltaggedanken noch ganz altmodisch mit Stift und Notizbuch zu Papier.

Ich mag die SV Elversberg.

Das ist zunächst einmal keine besonders spektakuläre Feststellung. Andere Menschen mögen schließlich Sylt, italienischen Rotwein oder historische Eisenbahnen. Bei mir ist es eben ein Fußballverein aus einem saarländischen Dorf, der inzwischen in Stadien spielt, die früher hauptsächlich aus der Sportschau bekannt waren.

Was ich an Elversberg besonders mag, ist diese eigentümliche Atmosphäre. Alles ist erstaunlich nah. Die Mannschaft, die Menschen, das Dorf, das Stadion. Man trifft sich, kennt sich oder kennt zumindest jemanden, der jemanden kennt. Große Fußballwelt und saarländischer Alltag liegen manchmal nur einen Bierstand voneinander entfernt.

Trotzdem bin ich dort vermutlich ein bisschen Außenseiter.

Das liegt nicht daran, dass ich leise Fußball schauen würde. Ganz im Gegenteil. Ich kann bei einem Tor vollkommen ausrasten, Schiedsrichterentscheidungen für den vorübergehenden Zusammenbruch der Rechtsordnung halten und in der 94. Minute Überzeugungen vertreten, die ich fünf Minuten später selbst nicht mehr vollständig nachvollziehen kann.

Ich bin beim Fußball eher emotional geprägt.

Leider denke ich gleichzeitig ständig über alles nach.

Warum fühlt sich ein Sieg eigentlich so wichtig an, obwohl ich selbst keinen einzigen Ball berührt habe? Warum fährt man Hunderte Kilometer, um 90 Minuten Fußball zu sehen? Warum kann eine Mannschaft die Stimmung einer ganzen Woche verändern? Und warum redet man mit völlig fremden Menschen über eine vergebene Torchance, als hätte man gemeinsam gerade eine mittelschwere familiäre Krise bewältigt?

Andere schauen Fußball.

Ich schaue Fußball und denke anschließend darüber nach, warum ich Fußball geschaut habe.

Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Vielleicht entstehen deshalb diese Texte.

Fußball ist für mich jedenfalls keine Beschäftigung, die nur an einem Samstagnachmittag stattfindet. Meistens schauen wir gemeinsam als Familie. Und regelmäßig geht es auch zu Auswärtsspielen. Dann sitzt man stundenlang im Auto, fährt quer durchs Land, diskutiert Aufstellungen und Ergebnisprognosen und fragt sich gelegentlich, warum vernünftige Menschen so etwas freiwillig tun.

Spätestens beim Einlaufen der Mannschaft weiß man es wieder.

Ich mag dabei gerade das Unperfekte an Elversberg. Dass dieser Verein trotz seines sportlichen Aufstiegs noch nicht vollständig in jener durchorganisierten Hochglanzwelt angekommen ist, in der Fußball manchmal mehr Produkt als Spiel zu sein scheint.

Vielleicht beobachte ich das alles deshalb ein bisschen von innen und gleichzeitig von außen.

Ich gehöre dazu, raste mit den anderen aus, fahre mit, hoffe, fluche und feiere.

Und während alle anderen längst das nächste Lied anstimmen, denke ich manchmal noch darüber nach, was das gerade eigentlich mit uns gemacht hat.

Wahrscheinlich bin ich deshalb kein besonders unkomplizierter Fußballfan.

Aber unkomplizierte Dinge geben meistens auch keine guten Geschichten her.

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